Der Hüter des Dschungels – Im Interview mit Jürgen Stein

Anabel Castro

Anabel Castro

Anabel setzt sich gern mit anderen Kulturen auseinander und dabei entdeckte sie ihre Leidenschaft für Dokumentarfilme.

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«Nachhaltig reicht nicht mehr, es muss auch regenerativ sein

Jürgen Stein im Frühling 2023

Als Jürgen Stein als Sohn einer deutschen Familie in Kolumbien geboren wird, ahnt er nicht, dass er einmal zum Hüter über 1400 Hektar costa-ricanischen Dschungels werden wird. 

1974 zieht es Jürgen, der zu dieser Zeit noch ein Kind ist, mit seinen Eltern und seinen Schwestern aus Kolumbien nach Costa Rica. Dort kommt sein Vater Rudi auf der karibischen Seite des Landes, am Oberlauf des Bananito Flusses in den Besitz riesiger bewaldeter Landflächen. Sein Ziel: Die Abholzung, denn 600 Hektaren dürfen geschlagen werden. Das lukrative Tropenholz ermöglicht der Familie den Haus- und Strassenbau. Doch Jürgen und seine Schwestern Sofia und Karin, stellen sich schon früh gegen ihren Vater und bringen ihn dazu, den Wald nicht weiter abzuholzen, sondern diesen zu bewahren. Das ist heute auch Jürgens Ziel. Er möchte, dass der Dschungel von Selva Bananito für die Generation seiner Kinder und Kindeskinder noch immer im gleichen Zustand anzutreffen ist wie heute. Dafür hat er Projekte im Bereich des Öko-Tourismus lanciert. Mit dem Ziel, seinen Gästen den Lebensraum Dschungel näher zu bringen und dadurch, wie er sagt, im tiefsten Herzen zu berühren. Nebenbei berät Jürgen Vertreter von Regierungsgremien und macht sich im Bereich Bildung stark. 

Jürgen, von was träumt ein derart getriebener Mensch wie du?

Ich träume von einer Welt, in der sich das Schwimmen gegen den Strom ausbezahlt hat. Damit meine ich, dass es, wirtschaftlich betrachtet, einfacher gewesen wäre so weiterzumachen wie bisher und Millionen mit der Abholzung zu verdienen. Ich hoffe, dass wir zukünftig auf einem intakten Planeten leben können und rückblickend gesehen eine Brücke waren, die dazu beigetragen hat, den aussichtslos scheinenden Kampf für den Wandel doch noch zu gewinnen. Ich träume davon, dass meine Arbeit einmal allen Kindern der Welt zugutekommt und den Gästen von Selva Bananito etwas bedeutet. Kurzum: Dass das alles hier Sinn ergeben hat. Denn das, was wir hier tun, geht weit über wirtschaftliches Denken hinaus. 

Die Tiere hier sind unsere direkten Feedbackgeber. Durch sie wissen wir, dass das, was wir tun, das Richtige ist. Wenn es uns gelingt, den hiesigen Lebensraum zu schützen, tragen wir automatisch auch zum Artenschutz bei. Kleines Beispiel gefällig? Hier leben sogar grössere Wildkatzen wie Jaguare und Pumas.

Mein Traum ist eine Welt, in der die dysfunktionalen Systeme der freien Marktwirtschaft, mit denen der Profit auf Kosten der nächsten Generation erwirtschaftet wird, der Vergangenheit angehören und wir es schaffen, mit regenerativen Tätigkeiten wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Wenn wir regenerativ agieren haben wir die Möglichkeit, die Umwelt ins Gleichgewicht zu bringen und wiederherzustellen. Aber ganz ehrlich, ich glaube davon sind wir ganz weit entfernt.


*Plötzlich sind zwei laute Knalle zu hören. Die Hunde bellen, Jürgen räuspert sich*

Die Hunde geben an, weil Wilderer gerade Schüsse abgegeben haben. Mal wieder…

Denkst du auch deshalb, dass wir von deinem Traum ganz weit weg sind?

Ja und nein. Das Problem ist, dass wir den Bezug zu uns selbst und der Natur verloren haben. Uns werden von allen Seiten her Ideale präsentiert. Die falschen Ideale. Wir leben in einer Welt abstruser Vorstellungen mit einem krankhaften Konsumverhalten. Das Leben findet grösstenteils vor einem Bildschirm statt. Unsere Wahrnehmung ist dadurch komplett absorbiert und unsere Gedanken kreisen in der digitalen Sphäre. Das hat Auswirkungen auf unsere Werte. Wir leben in einem stetigen Vergleich. Das trägt dazu bei, dass wir Dinge als Wichtig betrachten, die nicht dazu beitragen die grossen Probleme der heutigen Zeit zu lösen. Oder diese Probleme sogar noch verstärken. Unser Geist wird permanent beschäftigt gehalten. Wir scheinen in unseren Smartphones zu leben und vergessen dabei, dass wir ein Teil der Natur sind. Wir befinden und alle auf dem gleichen Boot. Das Boot Namens Mutter Erde. Und diese Mutter Erde wird seit Jahrhunderten nicht gewartet, wodurch sie leckgeschlagen hat. Nun müssen wir schauen, wie viel kaputt ist und wie wir das wieder hinbiegen können, damit wir nicht alle gemeinsam auf Mutter Erde untergehen. Das ist aber eine schwierige Aufgabe, die zunehmend noch schwieriger wird. Denn Nachhaltigkeit ist ein Modebegriff geworden. Firmen sehen darin eine Chance auf Profit und für Politiker kann das geschickte Werben mit Nachhaltigkeit ein Sprungbrett sein, auch hier in Costa Rica.

Fast immer wenn du die Nachhaltigkeit erwähnst, fällt auch das Stichwort Regeneration. Warum unterscheidest du derart explizit?

Selva Bananito wurde in Costa Rica zum Vorbild im Bereich des nachhaltigen Tourismus. Nachhaltigkeit allein ist aber nicht genug. Wir müssen den Planeten regenerieren. Nachhaltig würde bedeuten, dass wir primär den Status Quo bewahren. Dafür ist die Zerstörung aber zu weit fortgeschritten. Wir müssen den Planeten regenerieren, wieder aufbauen. Sonst werden wir nachhaltig die Welt zerstören. Dass der nachhaltige Tourismus in den Fokus der Reisenden rückt, ist gut. Denn es gilt ein Bewusstsein auszubilden und als Konsumenten Verantwortung zu übernehmen. Doch wo setzen wir an? Nachhaltigkeitszertifikate für Hotels? Vielleicht. Doch hier gilt es die Verhältnisse zu berücksichtigen. 

Nehmen wir ein Luxusresort als Beispiel. Wenn dort 10% Wasser am Tag eingespart werden, sieht das nicht nach viel aus. Doch mit dieser Wassermenge kämen wir hier monatelang über die Runden. Das Hotel bekommt für die Einsparung ein Zertifikat, weil die Richtlinien diese 10% Marke im Bereich der Wasserseinsparung als Kriterium für den Erhalt der Zertifizierung bestimmt haben. Wenn wir 10% Wasser einsparen, erhalten wir dieselbe Zertifizierung.

Die Dimension ist aber eine ganz andere. Wer ist jetzt nachhaltiger unterwegs, das Resort oder wir? Und wie sehen das die Gäste? Das Zertifikat täuscht. Das Resort nimmt das Wasser der Gemeinde weg. Wir hingegen schützen aktiv den Regenwald.  

1996 haben wir die Wasserschutzstiftung Cuencas de Limón (FCL) ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Wassereinzugsgebiete der Flüsse Bananito und Banano zu schützen und so zu erhalten. In diesem Lebensraum wird Wasser generiert, welches 1991 nach dem grossen Beben 100.000 Menschen mit Trinkwasser versorgen konnte. Das war möglich, weil die Umwelt intakt war. Das ist mit ein Grund, warum Nachhaltigkeit nicht reicht. Wir müssen dafür sorgen, dass die ursprünglichen Lebensräume wieder hergestellt werden. Dafür kämpfen meine Schwestern und ich. Dafür steht unser Lebenswerk Selva Bananito.

Erzähl uns mehr von diesem Lebenswerk

Selva Bananito ist auch deshalb so wichtig für mich, weil es eng mit meiner Familiengeschichte verbunden ist. Diese Bäume, der Dschungel, dieser Lebensraum, alles das repräsentiert einen Wandel in den Generationen. Mein Vater hatte das, was man Pioniergeist nennen würde – und zwar im klassischen Sinne. Er nahm seine ganze Energie zusammen, um eine Strasse in den Dschungel zu bauen. Ziel war es, dass die Landflächen kommerziell genutzt werden konnten. Für Holz wurde und wird gutes Geld bezahlt. Ihm war klar, dass er auf Dagobert Ducks Geldspeicher sass. Er musste es nur schaffen, die Türe zu öffnen. Die Millionen standen wortwörtlich da. Er war ein guter Geschäftsmann. Immer bereit, auch Risiko einzugehen. Er sah Möglichkeiten lange bevor sie von anderen erkannt wurden. Unter anderem war er auch mit Kochbananenplantagen und später Biobananen aktiv.

Was mich bis heute tief berührt, ist die Tatsache, dass er meine Schwestern und mich nicht nur liebte, sondern auch unsere Anliegen respektierte, obschon er sie zunächst nicht nachvollziehen konnte. Dies, weil er nicht verstanden hat, was meine Schwestern und ich mit dem Land vorhatten.  Trotzdem rang er sich dazu durch, diesen wunderbaren Lebensraum zu schützen, anstatt ihn abzuholzen. Letztlich ist das, was wir heute schützen, sein Geschenk an die Menschheit. Ein Geschenk, dass umso mehr an Bedeutung gewinnt, wenn ich bedenke, dass mein Vater stets wollte, dass ich Landwirt werde und die Motorsäge in die Hand nehme, um Profit zu schaffen. Ich aber studierte Theaterwissenschaften. Mein erster Beruf war Regisseur. Meinen zweiten Beruf fand ich schliesslich im Tourismus-Management. Und weil aller guten Dinge drei sind, ist mein dritter Beruf Tragschrauber-Pilot. So kommen dann auch alle diese Puzzleteile zusammen. Mit Hilfe dieser lebenden Bühne, bestehenden aus Flora und Fauna – die übrigens schon vor der Ankunft von Christoph Kolumbus hier war, und den Aktivitäten im und über dem Dschungel, schaffen meine Mitarbeitenden und ich ein tieferes Verständnis. Für diesen Lebensraum, unsere Umwelt und vor allem auch für diese riesige Aufgabe, die uns bevorsteht, nämlich das alles zu bewahren.

Selva Bananito ist keine Luxuslodge. Zumindest nicht im eigentlichen Sinne. Hier ist der Luxus das einfache Leben. So schliesst sich auch der Kreis zu meiner Familiengeschichte. Meine Werte entspringen einem einfachen Leben. Wir wohnten damals in derselben Hütte, in der ich jetzt gerade sitze. Klar habe ich ein wenig umgebaut. Aber plus minus so wohnte der Papa. Alles ganz, ganz einfach. Ich könnte mir mehr leisten, aber ich will nicht in einem großen Haus wohnen. Ich will den Naturdschungel nicht gegen den Grossstadtdschungel tauschen. Den ganzen Tag in einem Office zu sitzen, kann ich mir nicht mehr vorstellen. Zwar muss auch ich gelegentlich in die Stadt nach San Jose. Das reduziert sich aber auf etwa zwei Tage im Monat. Den Rest bin ich hier und bin der «Sklave» meiner eigenen Kreation. 

Wie meinst du das?

Was ich hier versuche, ist ein Fulltime-Job – und damit meine ich 15 bis 18 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Es gibt immer etwas zu tun. Zum Glück habe ich mein Team. Aber dennoch, wir haben schwere Zeiten hinter uns. Es hat sich viel verändert in Costa Rica. Wir kämpfen mit erschwerten Bedingungen. Gleichzeitig nimmt die Wilderei zu und wir müssen den Lebensraum hier schützen. Wir sind Teil des offiziell anerkannten biologischen Korridors «Bosque de las Madres», dessen 150 Quadratkilometer zu 50% bewaldet sind.

In Costa Rica gibt es mehrere solcher Korridore, welche von der Regierung auch gerne als Mittel im Kampf gegen den Klimawandel betitelt werden. Aber dennoch fehlen die finanziellen Mittel, um die saubere Bewirtschaftung sicherzustellen. Wir müssen unseren Bereich nicht nur verwalten, sondern auch schützen. Ohne regelmässige Patrouillen ist dies undenkbar. Die Idee ist, dass Landbesitzer und die lokale Bevölkerung in diesen Korridoren zusammenarbeiten, um den Lebensraum zu schützen und Wiederaufforstung zu betreiben. Es ist aber nicht einfach, wenn dich die Einheimischen als Ausländer sehen.

Wie siehst du dich denn? Als Deutscher oder als Tico?

Nun ja, du musst wissen, dass unser Grossvater nach der ersten grossen Weltkrise 1926 nach Kolumbien ausgewandert ist. Meine Schwestern und ich haben zwar den deutschen Pass, sind aber bereits in der dritten Generation im Ausland lebend. 1974 kamen wir nach Costa Rica.

Man merkt, dass der Bezug zu Deutschland fehlt. Trotzdem rechne ich auf Deutsch, ich spreche Deutsch und gerne auch Spanisch. Dank meines Grossvaters, der uns Französisch beigebracht hat, wuchsen wir dreisprachig auf. Aber mal ehrlich, es geht nicht um die Kultur. Wir werden durch die Auseinandersetzung mit unserer Umgebung und der Gemeinschaft in unserer Identität definiert. Zu deiner Frage: Ich fühle mich mehr Tico als dies wohl die meisten Ticos tun. Dieses Land hat mir eine Möglichkeit gegeben, mich zu entwickeln. Deshalb möchte ich auch etwas zurückgeben mit meinem Schaffen. Meine Flüge beispielsweise dienen nicht nur dazu, den Touristen diesen Lebensraum von oben zu zeigen, sondern ermöglichen mir gleichzeitig die Gegend zu überwachen und so beispielsweise illegale Holzfällaktionen frühzeitig zu erkennen. Ich bin hier verwurzelt. Meine Frau ist Tica, meine Söhne sind Ticos. Ich bin wohl der bunte Mix mit dem Tico Herz. Dieses Herz blutet, wenn ich sehe, wie sich das Land meiner Kindheit verändert. Mehr und mehr Menschen rutschen in die Armut. Costa Rica hat dieses Image der Schweiz Mittelamerikas. Doch das Land ist nicht mehr so stabil und sozial, wie es einst war.  

Costa Rica galt lange als Vorzeigebeispiel in Sachen Nachhaltigkeit. Ist das noch immer so, oder wie siehst du das? 

Dieser Ruf resultiert daher, da wir bereits vor 30 Jahren viel für den Naturschutz und die Nachhaltigkeit gemacht haben. Wiederaufforstung als Stichwort.

Natürlich wurden auch Tourismus-Zertifikate eingeführt. 1995 wurde das Zertifikat de la Sostenabilidad Turistica etabliert. Heute haben wir das C.S.T. 2.0, welches vom Global Sustainable Tourism Council anerkannt wird. Stellt sich aber eine Frage: was ist das Richtige? Was ist das Falsche? Es ist oft von Ökotourismus die Rede. In Costa Rica kommst du teils sehr nahe an Tiere ran. Es gibt da diesen Fall, wo ein Kapuziner Affe in das Zimmer einer Familie eindringt. Die Menschen finden die Situation lustig. Auch als er sich die Chips krallt, ist die Welt noch in Ordnung. Als sich dann aber ein zweiter Affe dazugesellt, eskaliert die Situation. Was können wir daraus lernen? Die wilden Tiere haben teils einen zu geringen Lebensraum. Oder anders ausgedrückt, immer mehr Tourismus bedeutet automatisch, dass der Lebensraum für die Tiere geringer wird, da man stetig mehr Infrastruktur für die Menschen benötigt. Das hat nichts mit Öko-Tourismus zu tun. Wir sollten dafür sorgen, dass wir wegkommen von diesem Streben nach mehr. Vor 30 Jahren kamen 450.000 Touristen pro Jahr. Die Nationalparks waren nicht überrannt, alles befand sich in einer gesunden Balance. Heute zieht es Millionen von Besuchern nach Costa Rica. Die Pura Vida Kampagnen zeigen Wirkung. Dies führt zu Problemen, wie es im Manuel Antonio Nationalpark immer wieder der Fall ist.  

Wir kämpfen zudem damit, dass wir trotz guter Aufklärung der Menschen in Costa Rica kaum einheimische Besucher hier in Selva Bananito haben. Die Ticos wollen an den Strand. Sie wollen feiern. War früher der Umweltschutz en vogue, so scheint dies immer weniger der Fall zu sein. Kommt dazu, dass viel mehr Investitionen aus dem Ausland getätigt werden. Die neue Karibikstrasse wird beispielsweise von den Chinesen gebaut. Seit sie im Land sind, verzeichnen wir eine erhöhte Nachfrage nach speziellem Fleisch wie von Brüllaffen. Das heisst, die Wilderei nimmt zu. Ebenso die illegale Holzfällerei. Ein Hektar bringt immerhin 20 000 Dollar ein. Wenn er abgeholzt wird, versteht sich. Der staatliche Zuschuss für den Schutz desselben Hektars bringt lediglich 50 Dollar netto ein. Da stimmt das Verhältnis nicht.  Letztlich auch deshalb kommen viele Herausforderungen auf uns und vor allem auch auf die nächste Generation zu.

Die Ausbildung der nächsten Generationen. Was macht ihr aktiv in Selva Bananito? 

Wir setzen an verschiedenen Punkten an. Zum einen mit Vorträgen an Schulen. Es ist wichtig, die junge Generation für die Umwelt zu sensibilisieren, sie aber gleichzeitig auch darüber aufzuklären, was momentan alles nicht so läuft, wie es sollte. Beispielsweise mit der Problematik Wilderei. Die Schüsse, die vorhin gefallen sind zum Beispiel. Wir wissen nicht auf was geschossen wurde oder warum. War es ein Farmer, der sich von einer Grosskatze gestört gefühlt hat? Wilderer, die ein Tier des Fleisches halber erlegen wollten? So oder so, eine Problematik besteht. Das muss man aber zuerst einmal wissen. Sonst kann sich auch nichts ändern. Das bedeutet, dass die Sensibilisierung der jungen Generation ganz zentral ist.

Deshalb arbeiten wir mit Schulen zusammen und sorgen auch dafür, dass Schulklassen zu uns kommen können. Wir haben eine alte Küche zum Schulzimmer für Umweltbildung umgenutzt. Wenn die Schulklassen oder auch die Studierenden hier sind, bringen wir sie in den Dschungel. Dabei können sie Pferde reiten, Ziplinen, sich an Wasserfällen entlang abseilen und so den Lebensraum erfahren. Ich denke es ist eines, Informationen mit dem Geist zu erfassen aber nochmals etwas ganz anderes, wenn man gewisse Erfahrungen gemacht hat. Naturschutz kann nur über die Erfahrung funktionieren, alles andere ist zu abstrakt. 

Das verbindet mich auch mit meiner Frau. Als ich sie kennengelernt habe, war sie als Mathematiklehrerin dabei, mit rund 400 Schülerinnen und Schülern Bäumchen zu pflanzen. Einheimische Arten. Danach begannen wir mit den Reden vor Schulklassen. 

Meine Schwester Sofia leitet heute nicht nur unsere Stiftung Fundacion Cuencas de Limon, sondern kann auch durch die Freiwilligenvermittlung bei First Hand Costa Rica, Menschen den kulturellen Austausch ermöglichen, in dem sie hilft, interessierte Personen in Tier- und Umweltschutzprojekte zu integrieren.

Vielleicht generell, wenn du auf die Welt blickst: Hast du Hoffnung in die nächste Generation?

Ich weiss nicht genau, was ihnen beigebracht wird. Ich weiß nur, was mir beigebracht wurde. Es sind Werte, die mich seit mehr als 30 Jahren antreiben. Ich versuche Teil der Lösung und nicht Teil des Problems zu sein. Das ist es, was ich vermitteln will. Ich glaube die junge Generation hat den Vorteil, dass sie einfacheren Zugang zu Wissen haben. Jetzt müssen sie aber noch verstehen und ins Handeln kommen. Dann besteht Hoffnung. Wenn ich nach Europa blicke, würde das auch bedeuten, dass die Jungen darauf verzichten, kurz für ein Partywochenende nach Ibiza zu fliegen. Generell müssen die Handlungen bewusst vollzogen werden. 

Selva Bananito ist das Lebenswerk von Jürgen Stein. In Costa Rica macht er sich stark für die Nachhaltigkeit und den Naturschutz.

Du hast Kinder. Was ist dein Vermächtnis an sie?

Neben einem intakten Selva Bananito Reservoir vor allem die Werte. Wenn meine Kinder die Schönheit einer Blüte erkennen und sich ab einem Schmetterling erfreuen können. Wenn sie ehrliche Freude an den kleinen Dingen im Leben haben. Mein erster Sohn, der bald drei Jahre alt wird, hat schon ein Auge dafür und man merkt, wie sich das immer mehr entwickelt. Ich wünsche mir, dass er das nie verliert. Er soll Bäume umarmen und wenn der die Funktionsweise der Natur versteht, Mutter Erde respektiert und dementsprechend handelt, dann ist das wunderbar. 

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