Fernreisen während Corona – Teil Eins: Unsere Gedanken

Stefan bei der Fotografie
Es darf keine Reisescham entstehen wegen Corona
Fernreisen während Corona – Teil Zwei: Unsere Erfahrungen

Fernreisen während Corona – Teil Eins: Unsere Gedanken

Von überall pfeifen es die Spatzen von den Dächern: Man kann aktuell nicht reisen. Oder zumindest, man sollte aktuell nicht reisen. In der Gesellschaft herrscht grosse Verunsicherung. Was ist denn aktuell möglich? Und unter welchen Umständen? Selber waren wir für ein Projekt auf Galapagos und können daher aus erster Hand erzählen, wie die Sache mit Fernreisen zu Corona-Zeiten so aussieht.

Zuerst möchten wir aber eines klarstellen: Wir können es verstehen, dass es Menschen gibt, die aktuell nicht reisen möchten. Sei es aus Angst oder aus anderen Gründen. Wir wurden auch schon mit der Aussage konfrontiert, dass es nicht solidarisch sei, jetzt reisen zu gehen. Auch das können wir verstehen und wir möchten in dieser Blog-Serie nicht urteilen, sondern Einblicke in unsere Erfahrungen und Sichtweisen geben. Was uns ganz wichtig ist – und das ist eine Komponente, welche in den hiesigen Diskussionen und Berichterstattungen oft vergessen geht: es gibt Menschen, die sind auf den Tourismus angewiesen. Und deshalb möchten wir in diesem ersten Teil dieser kleinen Blog-Serie zum Thema reisen in Corona-Zeiten unsere Gedanken zu genau diesem Aspekt teilen.

Durch das Reisen anderen Menschen helfen

Reisen in Zeiten der Pandemie wird oft mit einem egoistischen Akt gleichgesetzt. Der Reisende hat Spass –scheinbar auf Kosten anderer. Doch diese Ansicht wäre zu einseitig. Oder anders formuliert: nicht holistisch genug. Denn als Reisende wird uns noch eine andere Sichtweise zu Teil. Sind wir in den letzten zehn Jahren auf diesem Globus unterwegs gewesen, so war dies völlig in Ordnung. Gereist sind wir damals mit dem gleichen Ansatz wie heute auch: Wir versuchen so oft wie möglich die lokale Bevölkerung zu unterstützen. Klar, dies hängt wiederum von der Reiseart und auch davon ab, wo man vor Ort einkauft und seinen Kaffee trinkt. Und genau hier sind wir beim springenden Punkt. Die lokale Bevölkerung, welche Dienstleitungen im Tourismusbereich angeboten hat, kämpft teilweise um ihre Existenz.

Auf Galapagos haben wir einen Matrosen getroffen, der seine Familie seit Februar nicht mehr gesehen hat – Februar 2020 wohlbemerkt. Als sich die Lage im letzten Jahr zuspitze ist er mit seiner Frau und dem Kind zum Festland geflogen, um dort bei der Familie unterzukommen. Er musste dann aber wieder zurück und weil die Einnahmen fehlen, reicht das Geld nicht, damit Frau und Kind auch wieder nach Galapagos zurückkehren können. Viele befreundete Safari-Guides sind nicht mehr im Tourismus tätigt, da es aktuell kein Geld zu verdienen gibt. Die Wilderei in Afrika nimmt zu. Generell geht gerne vergessen, dass der Tierschutz teilweise auch davon abhängig ist, ob Touristen ins Land kommen oder eben nicht. Denn dann haben freilebende Tiere einen gewissen Wert – und zwar einen der höher zu gewichten ist als jener eines toten Tieres, welches wegen seines Felles oder Pelzes irgendwo auf einem Schwarzmarkt landet. Bekannte, die für Tourismus-Partner gearbeitet haben, verloren ihre Jobs. Reisebüros, mit denen wir zusammengearbeitet haben, gibt es heute nicht mehr. Dabei geht oft vergessen, dass ein bankrott eines Unternehmens auch immer Einfluss auf die dort beschäftigten Menschen hat. Wer auf Reisen geht, kann zumindest einen kleinen Beitrag leisten, damit diejenigen, die aktuell noch im Tourismusbereich arbeiten zumindest eine kleine Chance haben über die Runden zu kommen. Ansonsten ist die Situation, so wie auf Mallorca, nicht mehr weit entfernt. Dort ist inzwischen jeder Dritte von der Armut betroffen. Grund dafür ist das Ausbleiben der Touristen. Vor dem ersten Lockdown hatten die Menschen noch für die anstehende Saison investiert. Die Einnahmen sind aber ausgeblieben. Dies sind nur einige von zahlreichen Beispielen.

Die Zukunft des Reisens

Damit wollen wir nicht sagen, dass alle gleich wieder losrennen sollen. Denn sind wir ehrlich, viele von uns waren zu oft unterwegs und wir hoffen, dass zukünftig Shopping-Trips nach New York oder der 48 Stunden Trip nach London der Vergangenheit angehören. Mehr Qualität statt Quantität. Mehr Bewusstheit und Verantwortung. Lieber länger an einem Ort verweilen, anstatt möglichst viele Orte abzuhaken und schlussendlich ja doch nichts gesehen zu haben. Das könnten Schlüssel für den Tourismus der Zukunft sein. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir in einer vernetzten Welt leben und dies bedeutet, dass unser aller Handeln einen Einfluss hat, der nicht lokal begrenzt ist. Wenn wir Probleme durch Übertourismus verursachen, so ist ein komplettes Ausbleiben von Touristen ebenso ein Problem. Wir alle dürfen uns dementsprechend Fragen stellen, wie wir zukünftig unterwegs sein werden. Gleichzeitig sollten wir nicht vergessen, dass es aktuell Menschen gibt, die sehnlichst darauf warten wieder Touristen zu empfangen. Deshalb sollten niemand verurteilt werden, der in diesen Zeiten in die Welt hinauszieht. Wir gehen davon aus, dass die Menschen, welche trotz den Widrigkeiten aktuell ihren Rucksack packen, sehr verantwortungsvoll unterwegs sind. So haben wir es zumindest mit anderen Reisenden erlebt. Das Reisen ist kein rebellischer Protestakt, sondern Ausdruck einer ganz grossen Liebe – zu unserem Planeten und anderen Kulturen. Das bedeutet, dass die Menschen, die wir angetroffen haben, sich an die Maskenpflicht gehalten haben. Ebenso wurden die Abstände eingehalten, Hände desinfiziert und Weisungen der lokalen Bevölkerung Folge geleistet. So, dass sich alle sicher bewegen konnten und niemand unnötig gefährdet wurde – und dies ist etwas, das sollte auch dann eine Selbstverständlichkeit sein, wenn nicht gerade Corona wütet.

Mit diesem Text wollen wir unsere Sichtweise teilen, ohne dabei zu bagatellisieren, wie die Situation auf der Welt gerade ist. Es wird ohnehin schon viel diskutiert, was richtig ist und was nicht. Uns ist bewusst, dass viele Leute hart zu kämpfen und einige bereits ihre Existenzgrundlage oder noch schlimmer, ihre Liebsten verloren haben. Das sind Tragödien und diesen Menschen gehört unser grösstes Mitgefühl. Wir erleben aktuell eine der grössten Krisen unserer Zeit und wir sind froh, müssen wir die Entscheidungen nicht treffen, sowie es die Politiker Tag für Tag müssen. Und deshalb möchten wir hier auch nicht urteilen, sondern im nächsten Artikel darauf eingehen, welche Erfahrung wir auf Fernreisen in der Corona-Zeit gemacht haben.

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