Tortuguero – wo man Schildkröten ganz nahe kommen kann
Puerto Viejo – Das Paradies an der Karibikküste

Serra de Tramuntana – Mallorcas wilder Gebirgszug

Berge der Serra de Tramuntana

Ja, ich muss eingestehen, auch ich hatte meine Vorurteile gegenüber Mallorca. Alles was ich von der Baleareninsel wusste, war ein Mix aus schwammigen Kindheitserinnerungen eines All-Inclusive-Badeurlaubs und dem verbreiteten Party-Insel-Klischee, das der Insel seit Jahrzehnten anhaftet. Dieses Bild in meinem Kopf sollte die kommenden Tage völlig revidiert werden. Und ich bin froh, habe ich der Insel im Mittelmeer eine zweite Chance gegeben, um eine mir noch unbekannte Gegend zu erkunden: die Serra de Tramuntana.

Ich kam auf die Insel zurück, nicht um mich am Strand zu sonnen, sondern um das Gebirge und die Region der Serra de Tramuntana zu besuchen. Das im Nordwesten liegende Gebirge erstreckt sich über 90 Kilometer vom Südzipfel hoch bis zum Cap de Formentor im Norden. Es ist ein zerklüfteter Gebirgszug mit unglaublicher Natur. Olivenbäume, die wie Kunstwerke die Landschaft zieren, Karstformationen und interessanten historischen Stätten. Diese Kombination macht die Serra de Tramuntana zu einem abwechslungsreichen Reiseziel. Wegen der grossen Vielfalt der Landschaft und Flora ist die Serra de Tramuntana ein Naturschutzgebiet. 2011 wurde sie zudem zum UNESCO Weltkulturerbe in der Kategorie Kulturlandschaft erklärt.

Da mein Herz für alle Aktivitäten im Freien schlägt, wollte ich Mallorca hauptsächlich wandernd und mit dem Rad entdecken. Und genau da sind die Möglichkeiten schier endlos. Zahlreiche Wanderrouten, Lauf- und Radstrecken findet man hier. Ich hatte also die Qual der Wahl

Auf den schönsten Pfaden der Serra de Tramuntana

Die Serra de Tramuntana lässt sich wohl am besten zu Fuss erkunden. Nur so dringt man in das Herz des Gebirges ein und erreicht abgeschiedene Orte und die höchsten Gipfel. Auch wenn Mallorca wohl eines der beliebtesten Feriendestinationen der Europäer ist, blieb die Gebirgskette der Serra de Tramuntana bisher vom Massentourismus verschont. Trotzdem ist sie durch Strassen gut erschlossen und mit unzähligen Wanderwegen sehr gut ausgebaut. Es ist ein Genuss, die mediterrane Natur zu entdecken und zu riechen: Olivenbäume, Steineichen, Zitrus- und Mandelbäume, Pinienbäume und Heide wachsen hier. Die Landschaft ist wild und meist noch ursprünglich. Ich habe mich entschieden, mehrere Tagestour zu unternehmen, die ich alle sehr empfehlen kann.

WANDERN: Barranc de Biniaraix – entlang der Trockensteinmauern

Ich reise in der Regel sehr spontan, ohne gross im Voraus meinen Trip zu planen. So habe ich am Frühstückstisch innerhalb von 5 Minuten entschlossen, in Richtung Sollér zu fahren und von dieser Umgebung irgendwie hoch zum Stausee Embassament de Cubér zu wandern. Vager Plan, hopp ins Auto und los geht’s. Ich fahre durch Sollér, weiter bis vor den kleinen Ort Biniaraix. Ich parke mein Auto, packe meinen Rucksack und folge dem Wanderweg auf meiner Outdoor Active App. Ich komme schon bald an einem Wegweiser vorbei, der in Richtung La Cubér zeigt. Ich bin offensichtlich on Track. Diese Wanderung verläuft auf den Pfaden des Fernwanderweges GR 221, der das mallorquinische Tramuntana Gebirge durchquert. Er ist auch bekannt als Tockensteinmauerweg. Der Name ist Programm. Aus Biniaraix raus, wandere ich nämlich bereits entlang dieser Trockensteinmauern, die aus unterschiedlicher Zeit stammen müssen und bin schon mitten in der Barranc de Biniaraix, der Schlucht von Biniaraix. Die Mauern sind Zeugen einer Zeit, als die Araber die Insel einnahmen und bewirtschafteten. Meistens sind Olivenbäume auf den Terrassen angepflanzt. 20’000 Kilometer – so lange wäre die Mauer, würden alle Trockensteinmauern in der Tramuntana aneinander gereiht werden. Die Schlucht ist traumhaft, mit ihren gepflasterten Wegen, kleinen Brücken und etwas verwunschenen Vegetation. Sowas habe ich nicht erwartet und bin begeistert.

Von der Schlucht zur Hochebene

Leider ist der Fluss in der Schlucht ausgetrocknet. Es war ein heisser, trockener Sommer auf Mallorca, was dazu geführt hat, dass zu dieser Jahreszeit kein Wasser durchs Flussbecken fliesst. Ich male mir die Natur in der Schlucht unfassbar schön aus, wenn hier Blumen blühen, die Gräser saftig grün sind und das Wasser fliesst. Vielleicht komme ich das nächste Mal im Frühjahr.
In Serpentinen geht es nun steiler bergauf, raus aus der Schlucht, immer höher. Das ist wohl der anstrengendste Teil der Wanderung. Vorbei an zwei Quellen, wo ich meine Flasche mit frischem Quellwasser fülle. Ich drehe mich immer wieder um, um einen Blick über die Schlucht zu erhaschen. Ungefähr in der Hälfte der Wanderung erreiche ich einen schönen Aussichtspunkt. Hier haben’s sich einige Wanderer gemütlich gemacht, um den Ausblick zu geniessen und zu picknicken. Wer eine kürzere Wanderung unternehmen will, der wird schon belohnt, wenn er bis zum Aussichtspunkt wandert und von da kehrt macht. Doch für mich geht’s weiter, ich will hoch bis zum Stausee. Darum nehme ich weitere Höhenmeter auf mich und folge weiter den Schildern des GR221. Auf der Hochebene treffe ich auf einige Schafe mit ihren Jungtieren und schöne Gräserlandschaften. Die Wanderung ist landschaftlich abwechslungsreich.

Kurz vor dem Stausee treffe ich auf ein Mädel, das alleine unterwegs ist mit grossem Rucksack. Ich kann nicht anders, als sie anzusprechen. Sie erzählt mir, dass sie alleine den GR221 läuft und von ihren anderen Wanderabenteuer. Zusammen wandern wir bis ans Ende des Stausees, der von hohen Bergen umsäumt ist. Auch der Gipfel des Puig Majors, dem höchsten Berg der Insel, ist zu sehen. Zum Cúber-Stausee gelangt man übrigens auch mit dem Auto, für jene die gerne eine Spaziergang um den See machen möchten, ohne den langen Anstieg durch die Schlucht auf sich zu nehmen.

Nachdem die junge Wanderin weiter nordwärts zieht, umrunde ich den Stausee komplett und mache mich auf selber Strecke durch die Schlucht zurück zu meinem Ausgangspunkt in Biniaraix. Am späten Nachmittag sind kaum noch Wanderer unterwegs. Ich geniesse die Ruhe auf dem Pfad und die herbstliche Nachmittagssonne.

Toureninfos

  • Distanz: 21 km
  • Höhenmeter: 1’238 m
  • Ausgangspunkt: Biniaraix
  • Karte/GPX: Outdooractive Tour

WANDERN: Cami de ses Coves Blanques

Eines meiner Highlights der Mallorca Reise ist zweifelsohne die Rundwanderung von „Cami de ses Coves Blanques“, was soviel wie Weg der sechs weissen Buchten bedeutet. Die Wanderung befindet sich im Norden der Serra de Tramuntana in der Gemeinde Pollença. Eine Wanderung bei der ich kaum aus dem Staunen rauskomme. Schroffe Klippen, türkisfarbene Buchten und idyllische Graslandschaften.

Ich starte die Wanderung aus dem kleinen Ort Cala San Vicenç, wo man oberhalb der Bucht Platja de Cala Barques an der Strasse parken kann. Es geht direkt über einen Feldweg durch einen Pinienhain, bevor man auf den breiten Pfad, mit der wahnsinns Aussicht auf die Steilküste der Sierra del Cavall Bernat und der Felseninsel Colomer gelangt. Ich gehe bis zur Zunge des Punta de ses Coves Blanques, die ins Meer hinausragt, weiter oben finde ich eine Höhle, die angeblich früher für Artillerie genutzt wurde. Ein kleiner Anstieg und ich stehe bereits beim Markstein des Puig de l’Aguila auf 208m Höhe. Ein Stück weiter setze ich mich an die Klippen und bestaune das Panorama auf den nordwestlichen Teil der Küste von Pollença und die Cala Estremer.
Ich werfe einen Blick auf meine Wanderkarte und sehe, dass ich noch weiter aufsteigen kann. Mein Ziel: der Gipfel von La Mola. Hier wachsen keine Bäume, dafür überall die Palmito, eine Zwergpalme aus der auf Mallorca traditionelle Handwerkskunst gefertigt wird, wie z.B. Körbe, Taschen und Teppiche.

Der Gipfel naht

Nun wird der Anstieg deutlich steiler und steiniger. Ausser Ziegen sehe ich nun keine Menschenseele mehr. Nach knapp sechs Kilometern erreiche ich den Gipfel von La Mola auf 474m. Die Aussicht lädt zum Verweilen ein – für mich gibt es hier also erst mal einen Lunchstopp mit Aussicht bevor ich den Abstieg in Angriff nehme. Runter geht es dann zeitweise ziemlich steil über Wege mit teils losen Steinen. Hier sollte man etwas vorsichtig sein.

Nach dieser Wanderung hat man sich wahrlich ein Erfrischungsbad in der kleinen Bucht Cala Barques im Ort Cala San Vicenç verdient. Ich hüpfe ins Wasser und bin erstaunt, wie einladend warm das Meer zu Ende Oktober noch ist.

Tipp: Im Sommer genug Wasser und Sonnenschutz mitbringen, da die Wanderung sehr sonnenexponiert ist und keine schattenspendenden Bäume entlang des Weges wachsen.

Toureninfos

  • Distanz: 7 km
  • Höhenmeter: 446 hm
  • Ausgangspunkt: Cala San Vicenç
  • Karte/GPX: Outdooractive Tour

Übernachten in Schutzhütten – Ein Naturerlebnis abseits des Trubels

Obwohl das Wandernetzwerk auf Mallorca äusserst gut ausgebaut ist, entspricht das Angebot an Hütten nicht dem zunehmenden Interesse von Wandertouristen. Ohne Reservation geht hier kaum was; vor allem in der Hauptsaison. Wer sich einen Schlafplatz in einer Berghütte sichern will, tut das deshalb am besten im Voraus. Leider nimmt das etwas die Spontanität beim Reisen. Für mich persönlich ist das als Nicht-Planerin ein Dorn im Auge, da greife ich gezwungenermassen auf Zelt oder Hängematte zurück.

Doch die balearische Landesregierung ist auf das Problem aufmerksam geworden und bemüht sich, das Angebot für einheimische und ausländische Wanderbegeisterte auszubauen. So laufen beispielsweise aktuell mehrere Projekte, die ehemalige Bergbauernhöfe, sogenannte Fincas, zu Wanderunterkünften umbauen und herrichten. Diese Projekte werden durch die Ecotasa ermöglicht. Diese Ökosteuer müssen die UrlauberInnen seit 2016 bei einem Aufenthalt auf Mallorca und den Nachbarinseln entrichten. Die Öko- oder auch Tourismussteuer genannt, wird hauptsächlich für Umweltprojekte auf den Balearen eingesetzt.

Ich hatte die Möglichkeit, drei dieser Fincas zu besuchen, die sich in unterschiedlichen Umbauphasen befinden.

Finca Planícia – Wo einst Frauen hausten

Die Finca Placia ist ein prächtiges Anwesen mit einem unschlagbaren Panorama über Olivenhaine, Berglandschaften und Blick aufs Meer. An diesem wundervollen Ort wird derzeit ein Nebengebäude saniert. Das Nebengebäude steckt voller Geschichte, hier wo einst Mädchen und Frauen hausten, die auf dem Landgut arbeiteten, kann man bald übernachten. Es soll Wanderern und Naturbegeisterten die Möglichkeiten bieten, die Umgebung zu erkunden und die mediterrane Landschaft kennenzulernen.

Die Finca ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen und liegt unteranderem auf der Ruta de Piedra en Seca, also des Fernwanderwegs GR221. Dieser ist leider an mehreren Stellen durch Privatgrundstücke unterbrochen. Der Aufkauf von Grundstücken durch die Inselregierung ermöglicht somit also auch die Passage von weiteren Streckenabschnitten des Fernwanderweges.

Bergschutzhütte Ses Figueroles – Ruhe in der Abgeschiedenheit

Die Abgeschiedenheit und der schwierige Zugang machen die Finca Ses Figueroles zu etwas Besonderem. Keine Strassen führen hier hin. Die Finca befindet sich Mitten in der Natur, wo Ruhe pur herrsch. Es scheint, als sei die Zeit stehen geblieben. Und genau hier soll in Zukunft eine Wanderhütte entstehen. Eines der Ziele dieses Projekts ist es, das historische und kulturelle Erbe wiederherzustellen und zu sanieren. Die Häuser werden wieder hergerichtet, um das Wissen über das Leben auf einem Bergbauernhof zu vermitteln und ein Stück mallorquinische Geschichte zu erhalten.

Ich stelle es mir toll vor, an so einem Ort übernachten zu können und auf einer Mehrtageswanderung nicht darauf angewiesen zu sein, in die nächste Ortschaft laufen und die Wanderroute verlassen zu müssen. Zudem wurde bereits ein neuer Wanderweg geschaffen, der zur Bergschutzhütte Ses Figueroles führt. Ab wann man in dieser Unterkunft nächtigen kann, ist leider derzeit nicht bekannt.

Finca Galatzó – das sagenumwobene Landhaus

Auf der Finca Galatzó, wo einst mal der böser Graf Conde Mal hauste und angeblich noch heute auf einem grünen Pferd über das Gut reiten soll, laufen die Maschinen auf Hochtouren und arbeiten die Bauarbeiter fleissig. Denn das Gebäude Ses Porqueres de Galatzó steckt im Umbau und soll noch dieses Jahr seine Tore für Ausflügler und Wanderer öffnen (Ende 2022). Mit seinen 52 Schlafplätze in 12 Räumen sowie Küche, Speiseräume und einem grossen Multifunktionsraum ist die Berghütte gross, im Vergleich zu den anderen beiden besuchten Fincas. Die Räume sind hell und von der grossen Fensterfront des

Multifunktionsraums hat man einen wunderbaren Blick auf die umliegende Natur. Ich finde vor allem an der Fassade Gefallen, die mit Kalkmörtel verputzt ist und in die Kieselsteine dekorativ als Ornamente eingelassen sind.
Das Anwesen der Finca ist weitläufig. Ein prächtiges Haupthaus, mit kleinem botanischem Garten, eigener Kapelle, Stallungen und Terrassen mit Zitrusbäumen. Der Bau der Finca geht zurück bis in die Araberzeit, aus der auch die arabische Mühle stammt. Imposant, wie damals ohne Elektrizität mit reiner Schwerkraft gearbeitet wurde. Das Mühlrad wurde vom Wasser angetrieben, das aus Wasserbecken durch Kanäle vom Berg lief.

Das Gut erstreckt sich hinter den Gebäuden und lädt zu einem Spaziergang oder Wanderung ein. Ich folge dem Weg gesäumt von Macchiesträuchern, Zwergkiefern und der für Mallorca typischen Stechpalmen Palmitio.

Und wie reserviere ich eine Berghütte?

Wer für seine Wandertour eine Berghütte reservieren möchte, kann das hier online tun.

WANDERN: Küstenwanderung Cala de Tuent

Der Strand der Cala de Tuent ist für mich wohl der schönste Strand, den ich auf meiner Reise sehe. Und angeblich einer der abgeschiedensten Strände auf der Insel. Eine ruhige Bucht mit imposanter Bergkulisse, Pinienwald und kristallklarem, türkisfarbenem Wasser. Die kurvenreiche Anfahrt über Serpentinenstrasse durch das Tramuntana-Gebirge schreckt wohl einige ab, weshalb bei meiner Ankunft nur eine handvoll Menschen am Strand liegen. Eigentlich wollte ich einen entspannten Tag am Meer verbringen, doch als ich auf der linken Seite der Buch einen kleinen Pfad erspähe, ist es mit dem Plan wohl vorbei. Ich packe meinen Rucksack und folge ohne Plan dem Wanderweg durch den Pinienwald. Es geht erst Mal bergauf. Plötzlich komme ich aus dem Wald heraus und gelange auf einen atemberaubenden Wanderweg an der Küste, der mir den Blick auf Meer und Berge eröffnet. Wow! Das spätsommerliche Licht lässt die Natur noch wärmer und satter leuchten. Ich folge dem Weg weiter, bis ich zu einem Abzweiger komme. Ich folge dem Wegweiser Richtung „Sa Fabrica“ ohne zu wissen, was mich dort erwartet. Ein schmaler, verwachsener Pfad geht steil bergab, bis ich die Klippen erreiche. Ich kraxle über die Klippen hinunter zum Meer – nun habe ich mir eine Erfrischung verdient.

Da ich etwas spät losgelaufen bin, kehre ich ab Sa Fabrica um, zurück zur Cala de Tuent. Wer jedoch mehr Zeit hat, kann dem Wanderweg weiter folgen bis zum Coll de Biniamar und dem Torre de na Seca, von wo man eine herrliche Aussicht hat.

Toureninfos

  • Distanz: 5,3 km
  • Höhenmeter: 461 m
  • Ausgangspunkt: Cala de Tuent
  • Karte/GPX: Outdooractive Tour

Fotospot

Die Serpentinen Strasse nach Sa Calobra bzw. Cala Tuent sind zur goldenen Stunde gepaart mit den schroffen Bergen und dem Meer ein Spektakel. Vom Mirador Coll de Reis hat man einen super Ausblick. Es gibt beim Aussichtspunkt einen Parkplatz, so kann man entspannt mit dem Auto anreisen und seine Fotos schiessen. Auch nach dem Eindunkeln kann man tolle Langzeitbelichtungen von den Serpentinen schiessen.

TRAILRUNNING: Bergtraining zur Burgruine Castell d’Alaró

Als passionierte Trailäuferin bin ich nicht darum herum gekommen, meine Laufschuhe einzupacken, in der Hoffnung, ein paar schöne Trails ablaufen zu können. Das mache ich dann auch: In einem Ort namens Alaró, am Südhang der Serra de Tramuntana. Das Örtchen gehört wohl nicht zu den touristischen Must See’s aber entzückt mit seinen gepflasterten, engen Gassen, den schmucken Häusern und vor allem dem Castell. Und genau das habe ich für meine Laufrunde ins Auge gefasst. Das Castell d’Alaró thront hoch über dem Ort, auf einem kastigen Felsen. Bei dem Anblick juckt es mich schon in den Beinen.
Vom Dorfkern aus starte ich durch die Gassen, über die asphaltierte Strasse raus aus dem Dorf und folge auch hier wieder dem Wegweiser des GR221. Langsam nimmt die Steigung zu. Ich bin etwas besorgt, dass ich den ganzen Weg auf der Teerstrasse laufen muss – ich laufe gar nicht gerne auf Asphalt. Zum Glück finde ich kurz darauf eine Verzweigung auf einen Wanderpfad, der zwischen Oliven- und Pinienbäumen durchführt. Der Geruch der mediterranen Natur steigt einem in die Nase.
Von hier an geht es konstant bergauf. Auf den letzen Metern wird der Pfad zu Steintreppen, bevor ich die Burgruine erreiche. Und es geht noch weiter hoch: zum Gipfel des Puig d’Alaró auf 825 MüM, wo sogar eine Herberge mit einladender Terrasse und einem Garten steht. Es lohnt sich auf jeden Fall, hier zu übernachten, zum Beispiel auf einer Mehrtageswanderung durch die Serra de Tramuntana oder auf dem GR221. Auf dem Gipfel geniesse ich den sagenhaften Ausblick auf die höchsten Gipfel der Serra de Tramuntana und bei klarer Sicht reicht der Blick bis nach Palma. Das Panorama belohnt einem definitiv für die zurückgelegten Höhenmeter.

Auf diesem Lauf kann man sowohl etwas für seinen Trainingsplan tun aber auch die Landschaft und Geschichte Mallorcas entdecken. Die Burganlage von Alaró reicht bis in die Bronzezeit zurück und wurde um das Jahr 900 errichtet. Die Festung auf dem Tafelberg galt als unbezwingbar. Das Castell d’Alaró ist heute Kulturdenkmal – von der Festung stehen noch Teile der Festungsmauer, des Eingangstors und des Hauptturms.

Toureninfos

RADFAHREN: Mallorca, die Zweiradinsel

Mallorca ist eine Insel mit langer Radsporttradition. Sie lockt sowohl Spitzensportler wie auch Hobbyradler. Die Begeisterung für den Radsport herrscht sowohl in der Bevölkerung, wie auch bei einer Vielzahl der Touristen. Das merke ich schon nach dem ich am ersten Tag mit dem Auto unterwegs bin. Rennradgruppen, aber auch individuelle RadfahrerInnen, gehören fix zum Strassenbild der Insel. Nicht immer ganz ungefährlich, wenn so eine 15-köpfige Radgruppe den Verkehr auf teils schmalen Landstrassen blockiert. Umso wichtiger ist es deswegen, dass es Radwege und Routen gibt, für die Sicherheit der RadfahrerInnen und um den Verkehr flüssig zu halten.

Und genau dies wurde in einem öffentlichen Projekt angegangen. Um das Erlebnis für RadfahrerInnen und die Situation auf den Strassen zu verbessern wurde ein Plan mit einem Fahrradroutennetz entwickelt, der Strassen und Wege nach Grad der Sicherheit und des Verkehrs einteilt. Auf dieser Basis wurden 16 Radrouten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden aufgebaut und beschildert. Aus jeder der vier Regionen starten jeweils vier Routen von einfach bis anspruchsvoll. Die Routen verbinden Ortschaften, Sehenswürdigkeiten und die Gebirgskette Serra de Tramuntana. Die Radrouten lassen sich einfach individuell befahren und kombinieren, dank Beschilderung und Übersichtskarten. Und genau das mache ich.

Ich miete für einen Tag ein Fahrrad. An Fahrradverleihen fehlt es übrigens auf der Insel nicht. Man kann also unbeschwert sein eigenes Bike zuhause lassen. Vermietet werden die Räder jedoch meist ohne Pedalen, darum empfehlenswert, diese einzupacken, falls man die zusätzliche Miete der Pedalen sparen möchte und auf seine eigenen Klickpedalen nicht verzichten möchte.
Ich entscheide mich, der Route P1 „Llogarets del Pla de Mallorca“ der Region „Platja de Palma“ zu folgen und starte aus Sineu. Die Rote ermöglicht es, einige Dörfer des Pla zu entdecken, unter anderem den schmucken Ort Randa. Mein Ziel ist der Puig de Randa, von wo aus man seinen Blick angeblich weit in die Ferne schweifen lassen kann. Immer wieder komme ich an Wegweisern vorbei, bin jedoch immer wieder mal auf die Karte angewiesen, um nicht vom Weg abzukommen. Ich empfehle deshalb, das GPX file auf ein Navi bzw. sein Handy zu laden oder zusätzliches Kartenmaterial (digital oder analog) mitzuführen.
Der Radweg der Route P1 ist hauptsächlich flach und verläuft idealerweise meist auf kleinen Strassen, abseits von geschäftigen Strassen. Jedoch nicht ganz immer. Ich finde mich doch immer mal wieder auf grösseren Strassen, was ich persönlich gar nicht mag und die auch landschaftlich nicht sehr ansprechend sind.

Ich bin schon an so vielen Orte auf der Welt radgefahren, die mir persönlich viel besser gefallen haben. Im Grossen und Ganzen war es dann eine schöne Ausfahrt auf der Route Llogarets del Pla de Mallorca, auf der ich Eindrücke der Insel sammeln und ein paar Dörfer besuchen konnte – doch nichts, das mich umgehauen hätte. Die Routen, die durch die Serra de Tramuntana führen, sind landschaftlich definitiv schöner, jedoch teilweise auch super busy mit FahrradfahrerInnen. Mallorca verfügt definitiv über ein dichtes Netz von Radrouten, nur schon die 16 vorgeschlagenen Radrouten haben eine Gesamtlänge von 1732 km – nebst diesen Routen gibt es unzählige weitere empfehlenswerte Strassen. Und trotzdem würde ich wohl für meinen nächsten Radtrip eine andere Destination auswählen, wo weniger Radfahrerinnen unterwegs sind.

Weitere Infos

Hoteltipp: Es Picarol Sineu – mit Liebe zum Detail

Im Herzen der Insel, dem Städtchen Sineu, liegt das kleine Bijou von Carl & José, die vor wenigen Jahren ein Haus in der Altstadt stilvoll renoviert haben. Die fünf Zimmer sind individuell und kunstvoll eingerichtet. Hie und da haben die Besitzer selbst ihre Kreativität ausgelebt und die Räume mit eigenen Kunstwerken und Möbeln bestückt. Es lohnt sich, die Räume genau anzuschauen, wie in einem Museum. Hier entdeckt man ein Sammelsurium von Antiquitäten und Kunstobjekten: von Porzellan bis zu Skulpturen und Gemälden. Aber eines ist augenfällig, alles ist gross: Die Lampen, die Bilder oder der mächtige Kronleuchter.

Das Frühstück im Garten ist wie eine Auszeit in einer Oase. Die Bäume spenden Schatten und die Blumen verleihen dem Garten Farbe. Mit frisch gepresstem Orangensaft und Kaffee lässt es sich gut in den Tag starten.

Man fühlt sich im Haus von Carl & José sofort willkommen durch das Ambiente und vor allem durch ihre aufrichtige Gastfreundschaft. Eigentlich wegen der Königin des Hauses, der Hündin Samba, die sich gerne von den Gästen streicheln lässt. Der Aufenthalt im Hotel es Picarol ist in der Tat etwas Spezielles.

 

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