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Der fotografische Blick – Die Essenz der Fotografie

Steffis Auge in einer Makro-Aufnahme fotografiert.

Talent hat man oder nicht, dies steht ausser Frage und ist auch in der Fotografie nicht anders. Allerdings ist hier das Talent ein ganz Spezielles, das im ersten Moment sehr banal anmutet: Die Fähigkeit zu sehen. Menschen die sehen, verstehen zu Beginn oft nicht, was damit gemeint ist. In diesem Blog gehe ich auf die Thematik des Sehens in der Fotografie ein, der fotografische Blick, und gebe Tipps, wie das Sehen bzw. das Auge geschult werden kann.

Sehen ist für die meisten Menschen so selbstverständlich wie das Atmen. Dies ist schade, denn zum einen ist die Fähigkeit der visuellen Umgebungswahrnehmung ein Wunder und zum anderen würde die Welt gänzlich anders aussehen, würde man sie bewusst wahrnehmen. Nicht umsonst heisst es oft, dass Fotografe anders sehen.

Die Wichtigkeit des Sehens in der Fotografie

Leica bringt es mit folgendem Sprichwort auf den Punkt: „Wer sehen kann, kann auch fotografieren. Sehen lernen kann allerdings dauern.“ Nicht selten dauert dies Jahre. Ganz im Gegensatz zum Erlernen der Kamerahandhabung.

Die Kamera ist ein technisches Instrument, für den Fotografen im Endeffekt nichts weiter als ein Werkzeug. So wie ein Schreiner einen Hobel benutzt, setzt der Fotograf zur Vollziehung seiner Arbeit die Kamera ein. Die Handhabung ist relativ schnell erlernt, der manuelle Einsatz von Blende, Belichtungszeit und ISO nach einiger Zeit so selbstverständlich und einfach wie das Schnüren von Schuhen. Wer das Werkzeug beherrscht, schiesst aber nicht zwingend auch gute Bilder. Dies liegt meist daran, dass die Person hinter der Kamera, noch keinen geschulten Blick hat. Sie blickt aus jener Perspektive auf die Welt, die ich gerne als die alltagsperspektive bezeichne. Bedeutet, aus dem Stand heraus wird fotografiert, der Horizont und das Fotosujet immer schön bildmittig platziert. Dies wirkt langweilig und sorgt für ein Foto, dass niemanden zu fesseln vermag, selbst wenn dieses richtig belichtet und scharf ist. Es braucht also mehr um ein gutes Foto zu schiessen. Es braucht den speziellen Blick auf die Welt.

Details soweit das Auge reicht

Mir wurde, als ich mit der Fotografie begann, oft ein gewisses Talent nachgesagt. Ich würde die Welt anders sehen hiess es. Das lag wohl daran, dass ich in gewissem Masse verträumt bin. Ich sehe Details nicht nur, ich verliere mich meist auch in ihnen. Bei meiner Freundin beispielsweise sind mir sofort die feinen kleinen Strahlen aufgefallen, welche ihre Pupillen zieren. Bei Blättern an den Bäumen fallen mir die kleinen feinen Linien auf und die unterschiedlichen Farbnuancen. Ich sehe Linien und Formen, wenn ich durch eine Stadt laufe. Die Welt ist spannend anzuschauen und ich versuche dies, in meinen Fotografien darzustellen.

Wenn ich mit meinen Fotografie-Schülern das Thema Komposition und Bildgestaltung behandle, erhalte ich oft das Feedback, dass sie die Welt jetzt anders sehen würden. Wir Menschen sind meist in einer solch grossen Hast, dass wir uns keine Zeit nehmen, um bewusst auf die Welt zu blicken. Wer fotografieren und schöne Bilder machen will, muss sich aber Zeit nehmen.

Ein Baumpaar steht auf dem Hügel der Inka Ruine Sacsayhuaman bei Sonnenuntergang.

Tipps für die Schulung des fotografischen Blickes

Jeder, der schon einmal mit einer Spiegelreflexkamera fotografiert hat kennt es, das Zoomobjektiv. Es ist sehr praktisch, da es uns erlaubt, schnell den Bildausschnitt zu verändern. Es macht uns leider aber auch faul, weil mir dazu tendieren, zu zoomen anstatt unsere Beine zu benutzen und den Standort zu wechseln.

Deshalb empfehle ich jeweils, sich eine Festbrennweite im Bereich 35mm oder 50mm zu besorgen und einen Monat nur mit diesem Objektiv zu fotografieren. Man ist so auf eine Brennweite limitiert, muss sich mehr mit dem Bild auseinandersetzen und aktiver fotografieren.

Zudem empfehle ich einen Monat nur in schwarz-weiss zu fotografieren. Dies schult das Auge in der Wahrnehmung von Kontrasten und Formen und bildet in der Folge ein Gefühl dafür.

Ganz generell kann auch festgehalten werden, dass auch ohne Kamera das Auge sehr gut geschult werden kann. Wenn du das nächste Mal durch die Stadt läufst, achte auf Details. Formen und Linien in der Architektur. Die Farbe der Kleidung der anderen Menschen. Es gibt viel zu entdecken. Sei achtsamer und du wirst Schritt für Schritt ein besserer Fotograf werden.

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